Beeidigung in Baden-Württemberg

Nachdem ich schon in einem vorherigen Blog-Beitrag über die Beeidigung zum Urkundenübersetzer geschrieben habe, berichte ich heute über meine eigene Beeidigung beim Landgericht Karlsruhe.

Schon Anfang März hatte ich die Formulare und Anträge abgeschickt, mit dem Vermerk, dass mein Masterzeugnis erst Ende Mai ausgestellt wird. Stattdessen habe ich das Bachelorzeugnis und eine aktuelle Notenübersicht aus dem Master mitgeschickt.  Als das Masterzeugnis Anfang Juni endlich fertig war, ließ ich eine beglaubigte Kopie anfertigen und schickte diese an die Sachbearbeiterin beim Landgericht. Nur wenige Tage später erhielt ich die Ladung zur Beeidigung für den 4. Juli 2013. Pro Sprache werden 75 € berechnet, die man am Tag der Beeidigung direkt im Gericht bezahlen kann. Aber nun zum interessanten Teil, über den ich vorher nichts erfahren konnte: Wie läuft die Beeidigung ab?

Ich wurde ins Zimmer des Richters gebeten und eine weitere Mitarbeiterin war für den ersten Teil der Beeidigung ebenfalls anwesend. Meine Identität wurde überprüft und ich wurde darüber belehrt, was die Beeidigung zur Urkundenübersetzerin mit sich bringt (nämlich eine Art Stellung, auch in Bezug auf Strafen, zwischen „normalen“ Bürgern und Beamten, Arbeit für den öffentlichen Dienst und eine besonders vertrauenswürdige Stellung) und darüber informiert, dass ich anschließend eine Beteuerung abgeben muss. Man muss beteuern, dass man seine Urkundenübersetzungen stets sorgfältig und ordentlich anfertigt. Dazu standen wir von unseren Stühlen auf, der Richter las den Eid laut vor und anschließend hob ich die rechte Hand und sagte „Ich schwöre es.

Dieses Verfahren wird in einem Protokoll mit Unterschrift festgehalten. Sollte ich zum Beispiel später einmal nicht mehr als Urkundenübersetzerin arbeiten wollen, muss ich dieses Protokoll beim Landgericht abgeben und werde dann sozusagen aus der Kartei „gelöscht“. Deshalb ist es auch wichtig, dieses Protokoll sorgfältig aufzubewahren.

Für den zweiten Teil der Beeidigung wurde die Mitarbeiterin nicht mehr benötigt und der Richter erklärte mir persönlich die für mich geltenden Strafvorschriften. Dabei handelt es sich eigentlich nur um Vorschriften, die jeder gewissenhafte und professionelle Übersetzer ohnehin beachtet – Geheimhaltung sämtlicher Daten und Geheimnisse, keine Bestechlichkeit, kein Landesverrat, keine Befreiung von Gefangenen. Noch ein paar Minuten Smalltalk im Anschluss und schon war alles über die Bühne gegangen!

Ab sofort darf ich den Titel „öffentlich bestellte und beeidigte Urkundenübersetzerin der französischen und italienischen Sprache für Baden-Württemberg“ tragen, wobei es besonders wichtig ist, dass immer Sprache(n) und Bundesland genannt werden (auch wenn ich meine Übersetzungen für alle anderen Bundesländern beglaubigen darf). Das gilt übrigens auch für den Stempel – wenn Titel, dann vollständig! Auch wenn man ihn kaum mit einem einzigen Atemzug komplett vorlesen kann ; )

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